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Deutscher Gin

Destillieren hat in Deutschland eine lange Tradition – so ist Deutschland auf der ganzen Welt berühmt für seine zahlreichen Obstbrände und Schnäpse. Andererseits wird Deutschland nicht unbedingt mit der Herstellung von Gin in Verbindung gebracht. Dennoch beheimatet Deutschland mittlerweile einige herausragende und teilweise international beachtete Gin-Destillen und blickt diesbezüglich auf interessante historische Begebenheiten zurück. In diesem Artikel möchten wir die deutschen Gin-Destillen vorstellen und ein wenig auf die Geschichte des deutschen Gins eingehen.

Deutschland – Gin-Land?

Gin und Deutschland will spontan erst mal nicht so richtig zusammenpassen! Spricht man über Gin, denkt man zunächst an das Vereinigte Königreich, die Queen und Ihr Faible für Gin Tonic, und wenn man sich vielleicht ein bisschen besser auskennt, auch an Genever und damit Holland! Abgesehen davon, dass auch in deutschen Bars und Clubs gerne und in vielen Variationen Gin getrunken wird, spielt die Republik an sich keine bedeutende Rolle im internationalen Gin-Bizz – so sollte man meinen!

Hochprozentiges aus Deutschland

Bringt man Deutschland in Verbindung mit Spirituosen, fallen da Korn, Obstbrände verschiedenster Couleur und vielleicht auch noch Aquavit und Weinbrand deutlich stärker ins Gewicht. Allerdings ist Deutschland wie man an der Liste an gebranntem Hochprozentigem erkennen kann, sicher eine kompetente Nationen in der Herstellung eben dieser feinen Gaumenfreuden.

Bereits 1874 wurde in Berlin die „Versuchsanstalt für das Brenngewerbe“  gegründet , wo man versuchte dem Genever (seines Zeichens bekannt als unmittelbarer Vorfahre des heutigen Gins) die Geheimnisse seiner Herstellung zu entlocken.Heute heißt diese Einrichtung übrigens „Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie“ und beheimatet die Preußische Spirituosen Manufaktur, welche wiederum für zwei herausragende deutsche Gins verantwortlich ist, dem Adler Berlin Dry Gin und dem Greenfield & Harter Gin.

Einzug des Gins nach Deutschland – eine These

Konkrete Hinweise wann und wie der Gin nach Deutschland gelangte und durch welche Umstände er auch hier seinen Siegeszug antrat, konnte die Redaktion nicht finden. Allerdings lassen wir uns zu einer durchaus naheliegenden These hinreißen: Der Gin kam durch ähnliche Umstände nach Deutschland, wie einst der Genever von Holland nach England: durch Krieg, bzw. stationierte Soldaten.

Bekanntlich haben die englischen Soldaten, die im Achtzigjährigen Krieg den Holländern gegen Spanien zur Seite standen, den Genever mit nach England genommen, wo er dann zum Gin weiterentwickelt wurde. Knapp 300 Jahre später brachten die Engländer und Amerikaner den Gin wieder auf den Kontinent, diesmal aber als Besatzer im Nachkriegsdeutschland. Hier waren amerikanische Zigaretten, Kaugummi, Schokolade, Coca Cola und Nylonstrümpfe extrem begehrt. Warum also nicht auch der Gin?! Unterstützt wird diese These durch die Geschichte des exquisiten deutschen Gins „Monkey 47“. Der englische Pilot Montgomery Collins siedelte sich nach dem Krieg im Schwarzwald an und entwickelte hier die Rezeptur für „seinen“ Gin. Der Rest ist Geschichte!

Rommel Schnaps

Auch wenn das „nur“ eine These ist, gibt es aber durchaus Quellen, die u.a. Old Toms Dry Gin als beliebtes Getränk bei den deutschen Truppen des zweiten Weltkrieges benennen. Diese Quellen haben den Begriff Rommel Schnaps geprägt. Kurzgefasst geht es beim Rommel Schnaps darum, dass die Briten in Tobruk (Nordafrika) umfangreiche Spirituosenvorräte für die Truppen lagerten. Diese wurden dann durch die deutschen Afrikakorps unter dem Generalfeldmarschall Erwin Rommel erobert. In den Wirren des Krieges gelangten die verbleibenden Vorräte, damals noch in Eichenfässern, über Italien, nach Österreich. Auch in Deutschland konnte man die mittlerweile in Flaschen gefüllten Köstlichkeiten gegen Lebensmittelkarten erwerben. Der Hauptteil lagerte allerdings bis 1976 in einem Linzer Weinkeller und 1979 wurde dieser Gin dann in Deutschland versteigert. Einige Flaschen sind heute noch in Umlauf beziehungsweise werden zum Verkauf angeboten – unter anderem auch der gute Old Dry Gin.

Dieser kleine historische Ausflug zeigt, dass Gin schon im Krieg bei den Deutschen ein durchaus begehrtes Tröpfchen war bzw. die Deutschen schon immer eine Affinität zu guten Schnäpsen hatten.

Deutschland – Zentrum der Brennkunst

Das Deutschland ein Land der Brennkunst ist, zeigt die bereits erwähnte Vielzahl an hochprozentigen und vor allem hochwertigen Alkoholika. Tatsache ist, dass der deutsche Korn bzw. Doppelkorn zwei maßgebliche Gemeinsamkeiten mit Gin hat.
Beide müssen einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 % vol. aufweisen.
Beide gründen sich auf Trinkalkohol (Ethanol) der aus Getreide hergestellt und dann aufwändig destilliert und anschließend mit (Quell-) Wasser verdünnt wird.

Die Tatsache dass Korn schon seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland hergestellt wird, unterstreicht die Kompetenz im Brennhandwerk. Zum Vergleich: Genever wurde erst 200 Jahre später erfunden.

Dieses über die Jahrhunderte weiterentwickelte und zur Perfektion getriebene Knowhow wird aber nicht nur im Bereich des Korns und der Obstbrände kultiviert. Seit  einigen Jahren wird dieses Knowhow in 12 Destillen für die Komposition und Herstellung herausragender Gins verschiedenster Machart genutzt.

Die deutschen Gin-Destillen

12 von international ca. 200 Gin-Destillen befinden sich in Deutschland, eine stellt in österreichisch-deutscher Kooperation Gin her. Kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, dass Gin nicht unbedingt zu den Nationalgetränken der Deutschen gehört.

Flaggschiffe der deutschen Ginflotte sind sicher der auf der IWSC 2011 in London mit Gold prämierte Monkey 47 und der Duke Munich Dry Gin.

Im Folgenden eine Liste aller deutschen Gins:  

  • Adler Berlin Dry Gin: Hergestellt in der Preußischen Spirituosen Manufaktur in Berlin
  • Lebensstern Gin: Hausmarke der Berliner Lebensstern Bar, hergestellt in Österreich von der Destillerie Freihof
  • Greenfield & Harter: Ebenfalls hergestellt in der Preußischen Spirituosen Manufaktur in Berlin
  • The Duke Munich Dry Gin: Mitten in München liebevoll und gänzlich in Handarbeit hergestellter Dry Gin.
  • The Bitter Truth: Eine weitere aus Bayern stammende Marke mit einem umfangreichen Portfolio, u.a. auch ein Pink Dry Gin und ein Sloe Gin.
  • Brennerei Hubertus Vallendar: Brennmeister Hubertus Vallendar aus Rheinland-Pfalz ist von Haus aus Obstbrenner. Sein Wissen hat er in Secret Treasures Old Tom Gin umgesetzt.
  • Twist Gin:Als Hausmarke für die Twist Skybar im Inside Melia Hotel Dresden. Von Bartender René Förster und der Dresdner Obstbrennerei Augustus Rex entwickelter Sachsen Gin.
  • Schlichte Gin Steinhäger:Der Steinhäger Gin aus Nordrhein-Westfalen ist einer der ältesten Gins Deutschlands und nach wir vor in der traditionellen Tonflasche erhältlich.
  • Both’s Old Tom: Gin Vertrieben wird dieser Old Toms Gin von der Haromex Development GmbH in Nordrhein-Westfalen.
  • Noordkorn: Auch wenn weder die Flasche, noch das Etikett einen klassischen Gin vermuten lassen, so kann man aus der Beschreibung und über die verwendeten Botanicals der niedersächsischen Destilledoch stark darauf schließen.
  • Monkey 47 Dry Gin
  • Palatinus Dry Gin aus der Pfalz

Deutscher Gin auf dem internationalen Markt

Zwar macht diese Liste nur einen Bruchteil aller internationalen Gins aus, auf dem internationalen Markt spielen die deutschen Qualitätsspirituosen aber bislang noch keine maßgebliche Rolle. The Duke Munich Gin zum Beispiel hat zwar schon in Kanada und Frankreich, wie auch Österreich und der Schweiz Einzug gehalten, dies aber nur auf kleinem Niveau.

Unter dem Strich muss man aber doch immer wieder feststellen, dass sich Qualitäten in keinster Weise an Mengen oder betriebswirtschaftlichen Kennzahlen festmachen lassen – im Gegenteil. Es ist doch durchaus erstrebenswert nicht Teil des Markenportfolios eines global agierenden Konzerns zu sein und sich so seine Freiheit zu erhalten, auch wenn nicht das große Geld dabei herausspringt.

Individualität, Unabhängigkeit, Leidenschaft und der eigene hohe Qualitätsanspruch sind die Triebfedern, die diese talentierten Innovatoren des Deutschen Gins motivieren. Und über all dem steht ein zentraler Wunsch: Sich selbst und uns einen herausragenden Drink servieren zu können. Wir sagen: Cheers Prost!


12 Gedanken zu „Deutscher Gin“

  • Auch München hat einen neuen Gin im Angebot: feel! Munich Dry Gin. Kosten durfte ich diesen aber leider auch noch nicht.

    Antworten
    • Hallo Christian,

      wir hatten das Glück schon und ich muss sagen: sehr nice. Wenig wacholdrig, eher "erfrischend" und fast "fruchtig", dazu sehr mild. Ging gut mit Gents Tonic. Du findest ihn bei uns im Shop: http://ginobility.de/feel-munich-dry-gin-guenstig-online-bestellen.html

      Antworten
  • Sehr schöner Blog. Den Black Gin von Gansloser könnte man noch hinzufügen.

    Antworten
    • Hallo Hendrik,

      danke fürs aufmerkame lesen und das Lob! Das motiviert!
      Da der Artikel ja schon ein wenig älter ist, fehlen hier neben dem Black Gin (in den drei Varianten) auch einige weitere ausgezeichnete Neuerscheinungen aus deutschen Destillerien!
      Ein Update zu diesem Artikel steht bereits auf unsere Redaktionsliste!

      Cheers

      Antworten
  • Nur zur Info: die Brennerei Haas aus dem fränkischen Pretzfeld hat seit 2013 auch einen recht würzigen Gin im Angebot: www.destillerie-haas.com/Gin-1

    Antworten
    • Hallo eckes,
      Danke für Dein Interesse und Deinen Tipp! Wir sind immer dankbar für Hinweise auf neue tolle und spannende Produkte. Vor allem wenn es sich dabei um solche wie das aus der Brennerei Haas dreht.
      Wir haben ihn auf unsere Liste genommen und werdne ihn uns auf jeden Fall näher anschauen.

      Cheers
      Dein Ginobility Team

      Antworten
  • hallo ihr,

    was haltet ihr vom sünner dry hin aus köln?

    http://www.suenner-brauerei.de/suenner_drygin_no260.html

    lieben gruss,
    lucie

    Antworten
    • Hi Lucie,
      Danke für Deine Nachricht. Auch wenn wir ihn noch nicht im Sortiment haben, ist Sünner ein toller deutscher Gin mit einem ganz eigenen Charakter und Aroma.
      Wir arbeiten uns nach und nach durch die kontinuierlich länger werdende Liste an interessanten Gins und Sünner steht auch mit drauf.
      Es könnte also sein das wir auch diesen deutschen Gin bald anbieten, aber versprechen kann ich zur Zeit noch nichts!

      Cheers
      Dein Ginobility Team

      Antworten
  • Heya im for the first time here. I discovered this board and I to uncover It truly helpful &amp it helped me out a whole lot. I hope to supply something back and aid other people such as you helped me. dgdkeeekeedk

    Antworten
  • Den Jura Gin der Lindelberg Brennerei Zeiß im oberfränkischen Oberlindelbach 2 - 91338 Igensdorf solltet ihr in eurer Liste deutscher Gins nicht vergessen:

    http://shop.strato.de/epages/244845.sf/de_DE/?ObjectPath=%2FShops%2F244845%2FCategories%2FJura_GIN

    Wann kommt eigentlich das Update, oder habe ich bereits was verpasst?

    Antworten
    • Hi Bingo,
      danke für den Tipp bezüglich des Jura Gins! Bei der Vielzahl an Neuerscheinungen sind solche Hinweise von aussen Gold wert. Allerdings können wir auch nicht alle dieser Neuheiten aufnehmen, werden sie aber immer gerne testen und in Betracht ziehen.

      Das Update kommt! Aber auch aus eben genanntem Grund wollen wir es so machen dass wir leichter als jetzt updaten können!

      We keep you posted!

      Thomas

      Antworten
  • Hallo,
    wir stellen seit 1878 Spirituosen und natürlich auch Gin her.

    Unsere Spezialtät "Sloe Gin" mit 42 %, hier werden bei der Destillation neben einer Vegetablienmischung noch Schlehen hinzugefügt,überaus trockener Gin.

    Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung

    mit freundlichen Grüßen
    Michael Habbel

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