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Hendrick's Gin: Interview mit der Brennmeisterin von Hendrick's

Hendrick’s -  ein extravaganter Gin. Ein Gin, der mit den Aromen von Gurken- und Rosenblättern spielt. Ein Gin, der in Verbindung mit Tonic Water nicht mit einer Limette oder Zitrone genossen wird, sondern mit einer Gurke. Und ein Gin, den man entweder vom ersten Schluck an liebt oder strikt ablehnt. Wir freuen uns, dass die Erfinderin und Master Destillerin von Hendrick's, Lesley Gracie, uns ein Interview gegeben hat.

Frau Gracie, wie sind Sie zum Destillieren gekommen und haben Sie gleich mit Gin angefangen?

Ursprünglich habe ich in der Wodka- und Whisky-Herstellung gearbeitet, danach bin ich dann in Sachen Gin tätig geworden. Das Spektrum der verschiedenen Pflanzen, Kräuter und Gewürze, die für dieses Produkt verwendet werden können, ermöglicht eine wesentlich größere Variabilität und Vielschichtigkeit, die Aromen ausgewogen zu gestalten und ein Getränk mit eigenem Charakter und Profil herzustellen.

Welches sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Meister ihres Fachs benötigt?

Die Wichtigste ist wahrscheinlich die Leidenschaft für die Destillation, aber wichtig sind auch das unbedingte Streben nach einem hochwertigen und einheitlichen Produkt, Kenntnis über die beide Brennblasen und die Neugier, ein Getränk mit einem tollen, neuen Geschmack herzustellen.

Welche Basisspirituose verwenden Sie zur Herstellung von Hendrick’s Gin?

In unseren Hendrick’s Gin kommt ausschließlich reiner Weizenalkohol mit neutralem Geschmack.

Es gibt verschiedene Produktionsverfahren von Gin (Mazeration, Digestion, Mehrfacharomatisierung). Wie funktioniert die Produktion bei Hendrick’s Gin?

Bei der Herstellung von Hendrick’s Gin werden zwei sehr charakteristische Destillate, die nach zwei unterschiedlichen Verfahren hergestellt werden, sorgfältig vermischt. Das eine wird in einer 152 Jahre alten Bennet-Brennblase gebrannt. Hier ziehen die Botanicals vor der Destillation im Alkohol. Für das andere wird eine Carter-Head-Brennblase aus dem Jahr 1948 verwendet. Hier liegen die Botanicals in einem Siebkorb und die Öle werden beim Verdampfen vom Alkohol extrahiert.

Destillation von Hendrick's Gin Destillation von Hendrick's Gin

Hendrick’s Gin zeichnet sich durch ein eher schwaches Wacholderaroma aus. Warum?

Wacholder ist der vorherrschende Geschmack von Hendrick’s Gin, durch die Vielschichtigkeit der anderen zugesetzten Zutaten entsteht jedoch ein insgesamt sehr weicher Geschmack. Dadurch unterscheidet er sich von anderen Gins, bei denen der Wacholdercharakter im Vergleich zu den anderen Aromen nicht so ausgewogen ist.

Kommen bei Hendrick's getrocknete oder frische Botanicals/Früchte zum Einsatz?

Die Botanicals sind im Allgemeinen getrocknet. Dadurch können wir absolut sicher sein, dass alle Zutaten die notwendige Qualität zur Herstellung unseres Gins haben.

Naturprodukte wie Botanicals unterliegen naturgemäß saisonalen Schwankungen. Bedeutet das, dass jede Charge von Hendrick’s Gin ein wenig anders schmeckt?

Wir gehen bei der Auswahl der Botanicals sehr sorgfältig vor. Qualitätskontrollen garantieren, dass die Stärke und die Zusammensetzung der ätherischen Öle unseren engen Vorgaben entsprechen. Das gewährleistet, dass der Geschmack von Hendrick’s Gin nur minimal variiert.

Werden verschiedene Batches geblendet oder wird Hendrick's direkt abgefüllt?

Nach jeder einzelnen Destillation wird die Qualität gründlich geprüft, damit wir ein einheitliches Produkt garantieren können. Erst dann werden die Destillate gemischt.

Hendrick’s Gin wirbt damit, dass er „nicht für jedermann“ sei. Viele kleine Destillen probieren sich in den letzten Jahren an sehr extravaganten Botanicals wie Oliven oder Kokosnüssen (New Western Gin). Wirkt Hendrick’s Gin im Vergleich zu diesen Kreationen nicht mittlerweile fast altmodisch-langweilig?

Als Hendrick’s Gin 2001 auf den Markt kam, gab es nur sehr wenige Neuheiten im Gin Segment. Wir wollten damals zeigen, was man mit einem Wacholderbranntwein anstellen kann. Einige der Botanicals waren damals ein Novum, aber die Verwendung der Gurken- und Rosenblütenessenzen überschattete dies und öffnete vielen anderen die Augen über die Möglichkeiten beim Gin. Dass so viele Hersteller neue Pflanzenmischungen ausprobieren, ist natürlich toll, aber wir sind mit unserem Rezept ganz zufrieden.

Über Lesley Gracie
Wer Lesley Gracie kennen lernt, versteht sofort, wie ein so ungewöhnlicher Gin entstehen kann. Nein, es ist nicht der hüftlange Pferdeschwanz oder ihr typisch britischer Humor, sondern vielmehr die Hingabe an die Destillierkunst. Zusammen mit dem Brandmeister John Ross schuf sie Ende der 1990er einen extravaganten Gin.

Die Arbeit in der eigentlich von Männern dominierten Branche ist für die Dame mit der feinen Nase kein Problem. Apropos feine Nase: ihre Nase gilt als eine der feinsten weit und breit, weshalb sie auch Jurymitglied der International Spirits Competition und die Leiterin des Entwicklungsteams des Unternehmens ist. Die Kreation des Hendrick’s Gin ist der Höhepunkt ihrer Karriere. Angeblich kennen nur noch drei weitere Personen das genaue Rezept des Hendrick’s.

Lieblingsgetränk? Hier ist Lesley Gracie zurückhaltend. Aber so viel verrät sie doch: Der Single Malt Scotch „The Balvenie DoubleWood“ und ein Hendrick’s English Garden (Hendrick’s mit frischem Apfel- und Limettensaft und St. Germain Holunderblütenlikör, garniert mit Gurkenscheiben) rangieren ganz oben auf der Liste.

Viele Genießer trinken ihren Hendrick’s Tonic gerne mit Gurke. Gibt es Gurken, die sich hierfür besonders eignen? Und welches Tonic Water harmoniert besonders gut mit Hendrick’s Gin?

Hendrick’s Gin Tonic sollte immer nur mit frischen Gurkenscheiben garniert werden. Ohne Gurke sollten Sie ganz auf die Garnitur verzichten. Zitronen oder Limetten sind hier gar nicht geeignet. Da alle Gurkensorten mit ihrer knackig grünen Süße die Gurkenessenz im Gin hervorheben, gibt es keine Sorte, die ich besonders empfehlen würde. Gekrümmte Sorten sind meist etwas süßer als die geraden. Beim Tonic ist es wichtig, dass es gut sprudelt.

Tonic: Mit Gurke statt Limette oder Zitrone

Okay, an Gurken im Tonic kann man sich vielleicht noch gewöhnen. Aber warum sollte man Tee mit Hendrick's mixen? Und muss man das dann wirklich aus einer Teetasse trinken?

Die Teezeit [tea time] mit Gurkensandwiches und Früchtebrot ist durch und durch englisch und Tradition bei den Briten. Wenn man Hendrick’s Gin in Teetassen serviert, kann man am gemeinsamen „am Tee nippen“ teilnehmen und seinen Gin schon vor den Cocktails genießen.

Was ist der größte Unterschied bei der Herstellung von Hendrick's im Vergleich zu anderen Gins?

Für alle Gins gibt es eigene Pflanzenmischungen und manchmal verwenden die Hersteller ihre eigenen Essenzen. Hendrick’s Gin unterscheidet sich jedoch deutlich beim Destillationsverfahren. In der Carter-Head-Brennblase wird gedampft, in der Bennet-Brennblase aus Kupfer gesiedet, und die einzelnen Destillate werden dann vermischt. Soweit uns bekannt ist, wird bei keinem anderen Gin so verfahren.

Wenn Sie für Hendrick’s Gin eine Special Edition machen müssten, welche Botanicals kämen noch hinzu?

Das ist schwierig zu beantworten, denn das weiß man normalerweise erst, wenn man mit verschiedenen Rezepturen experimentiert. Aber wir beabsichtigen derzeit nicht die Auflage einer Limited Edition.

Wäre Hendrick’s Gin ein Mensch, dann sähe er folgendermaßen aus und hätte folgende Eigenschaften:

Er wäre außergewöhnlich intelligent, ziemlich exzentrisch, sehr unterhaltsam und unheimlich gesellig. Man müsste sicherlich erst einmal auf den Geschmack kommen. Oscar Wilde kommt mir da in den Sinn!

Wäre Hendrick's ein Mensch...

Während des Viktorianismus erlebte Großbritannien eine Blüte – die Wirtschaft boomte, im Bereich Technik galt UK als Weltführer und das British Empire umspannte die ganze Welt. Aus diesem Grund wird das viktorianische Zeitalter auch als „gute alte Zeit“ beschrieben. Andererseits war das viktorianische Zeitalter eher von moralischer Biederkeit geprägt. Hendrick’s Gin spielt gern mit Motiven und Metaphern aus dem Viktorianismus. Was hat es damit auf sich?

Unser Unternehmen William Grant & Sons, das sich nach wie vor in Familienbesitz befindet, und einer unserer Brennblasen stammen aus der viktorianischen Zeit. Deshalb ziehen wir vor dieser Ära dann und wann gern unseren Hut.

Frau Gracie, vielen Dank für dieses Gespräch!

Über Hendrick’s Gin
Hendrick’s Gin ist kein klassischer Gin, sondern gibt sich extravagant. Dies rührt hauptsächlich von den ungewöhnlichen Botanicals. Besonders auch das Destillierverfahren: Für Hendrick’s wird eine Mischung aus Spirituosen verwendet, die in Carter-Head- und Bennet-Kesseln gebrannt wird. Durch das Aufkochen der Botanicals entsteht im Bennet-Kessel eine Spirituose mit tiefgründigem Geschmack. Im Gegensatz dazu baden die Botanicals im Carter-Head-Kessel geradezu im Dampf, wodurch ein besonders weicher Alkohol mit feinem Aroma entsteht. Die Kombination dieser beiden Verfahren sorgt für einen samtig-weichen Gin, der aber trotzdem einen würzigen Charakter aufweist.

» Hendrick's Gin im GINOBILITY-Onlineshop

3 Gedanken zu „Hendrick's Gin: Interview mit der Brennmeisterin von Hendrick's“

  • Schönes, kurzweiliges Interview! Vor allem die Herstellungsart finde ich interessant. Das mit dem Tee hingegen ist schon ein wenig, naja, sagen wir mal "typisch Britisch".

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  • Nicht nur weil ich total auf Hendrick's stehe finde ich das Interview super! Man merkt einfach sofort das hier eine echte Britin am Werk ist....!! Danke für den amüsanten und gleichzeitig äußerst informativen Lesegenuss!

    Antworten
  • Hendricks Gin gehört zu einen meiner Lieblingsgins - von daher vielen, vielen Dank für das großartige Interview. Vor allem die Hintergrundinfos zu dem Brennprozess und der Herstellung.

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