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Interview mit Jamie Baxter, Master Distiller der City of London Distillery

Londons erste Destille seit vielen vielen Jahren
Das England und speziell die Hauptstadt London nicht nur gute Zeiten in Bezug auf Gin gesehen hat sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Wenn nicht empfehlen wir unser Gin e-Book!
Nachdem zwischenzeitlich keine Gin-Distillen mehr in London selbst übrig waren, hat ein Gespann aus zwei äußerst erfahrenen Gin Kennern das nun geändert. London hat seit November 2012 wieder eine Gin Destille innerhalb ihrer Stadtgrenzen! Aber nicht nur das, sie trägt auch den Namen ihrer Heimatstadt. Die Sprache ist von der "City of London Distillery".

City of London Distillery - Jamie Baxter City of London Distillery - Jamie Baxter

Gin erlebbar machen, und das mit Spass!
Das Konzept von Jonathan Clark und dem Master Distiller Jamie Baxter ist so einzigartig wie genial: Man nehme eine Bar, eine Destille und open doors sowie Workshops, packe eine Ladung Menschlichkeit und Spass, sowie jede Menge Sachverstand dazu und mische es kräftig. Heraus kommt die "City of London Distillery".
In der Bride Lane 22 - 24 kann man vor allem eines haben: Viel Spass!
Denn dies betont Jamie Baxter immer wieder, ist die Essenz aus dem dieses Konzept besteht. Spass an Geselligkeit, Spass am Mixen, Spass am Brennen, Spass an der Konversation, Spass am Gin.

26635_207456409387668_139612963_n City of London Distillery - Bar

Auch wenn wir bisher noch nicht das Vergnügen hatten die "City of London Distillery" persönlich zu besuchen, so hatten wir doch die Gelegenheit Jamie Baxter einige Frage rund um das Projekt, den Gin und das was C.o.L.D. ausmacht stellen zu dürfen.
... und ein Besuch in London steht auf jeden Fall schon auf unserer To do Liste!!

Have fun reading...!

Ginobility: Wenn man sich Eure Webseite, speziell den Bereich “Experience” anschaut, hat man den Eindruck das es Eure Mission ist den Menschen die ganze Welt des Gin näher zu bringen. Wann hast Du Deine Leidenschaft für Gin entdeckt und wie sahen Deine ersten Schritte auf Deinem Weg zum Destillations Meister aus?

Jamie Baxter: Meine ersten Berührungspunkte mit der Gin Brennerei hatte ich als ich bei der Chase Distillery arbeitete. Dort traf ich Jonathan Clark (Anm.d.Red. Besitzer der City of London Distillery) im April 2012 und das Ergebnis dieser Bekanntschaft war die City of London Distillery. Seit Weihnachten 2012 haben wir destilliert. Gleichzeitig haben wir eine komplett funktionstüchtige Destillationsanlage, eine Cocktailbar und eine echte Besucherattraktion – alles in einer Location die in dieser Form einzigartig im Vereinigten Königreich ist. Dabei versuchen wir nicht eine große globale Marke zu werden. Vielmehr konzentrieren wir uns darauf Regionalität zu leben.  Es ist gar nicht so lange her, dass ein Metzger nur seine unmittelbare Nachbarschaft, eine Brauerei nur eine Hand voll lokale Kneipen und eine Destille ein etwas größeres Einzugsgebiet mit ihren Waren versorgte.

Dadurch, dass wir  im Herzen von London sitzen und die einzige Destillerie in der Stadt sind zielen wir darauf ab eine Hauptrolle in der hiesigen Gin Community zu spielen.

 

Ginobility: Apropos Leidenschaft. Wie lange hat es gedauert, den City of London Dry Gin zu entwickeln und was macht diesen Gin so speziell im Vergleich zu anderen seiner Art?

Jamie Baxter: Jonathan und ich mögen beiden die gleichen Arten Gin, einen traditionellen London Dry mit Wacholder und Zitrusnoten als tongebende Aromen, aber fein abgestimmt und mit in paar kleinen und feinen Twists.
Es war also klar, dass unser Gin rein, frisch, würzig und zudem sehr mild sein würde. Wir wussten was wir wollten und waren und von Anfang an darüber einig – also dauerte es nicht sonderlich lange das Rezept rund zu machen.

Wie auch immer, das Rezept ist nu rein Teil der Geschichte. Die Anlage,  die Methodik, die Praxis, all das muss auch passen. Genau das muss sorgfältig geprüft bzw. geplant und letztendlich entschieden werden bevor man eine Destille baut, denn es ist äußerst kostspielig in Nachhinein Änderungen vorzunehmen wenn erst mal alles steht.

Über alle dem steht aber einzig, dass man etwas macht das man liebt und man kann nur hoffen, dass es die für die man es macht auch lieben. Glücklicher Weise ist das bei City of London Dry Gin der Fall.

 

Ginobility: Wie man auf Eurem Still lesen kann, verwendet Ihr eine speziell für Euch designte Anlage des deutschen Herstellers CARL aus dem Schwarzwald (gar nicht so weit weg von den Black Forrest Distillers bekannt für ihren Monkey 47). Warum fiel Eure Wahl gerade auf eine deutsche Anlage?

Jamie Baxter: Als ich die Chase Distillery verließ, habe ich als Berater für verschiedene kleinere Brennereien in UK und darüber hinaus gearbeitet. Dabei habe ich natürlich auch mit vielen verschiedenen Herstellern für Destillationanlagen zusammengearbeitet.
Besonders hier bei der City of London Distillery wussten wir von Anfang an, dass wir nicht nur eine erstklassige Anlage in Bezug auf die Funktion brauchten, sondern auch eine die wunderbar anzuschauen ist, denn immerhin ist sie immer im Blickfeld der Kunden. Ich glaube das Resultat spricht für sich.

 

Ginobility: Es gibt ja bekannter Maßen verschieden Arten Gin herzustellen (Mazeration, Digestion, etc.). Verwendet Ihr für die Herstellung von City of London Dry Gin spezielle Herstellungsarten?

Jamie Baxter: Wie gesagt sollte unser erster Gin, der City of London Dry Gin, ein reiner, frischer und würziger Gin werden. Um dies zu erreichen haben wir eine moderne Form des berühmten Carterhead stills verwendet. Die diesem Still zu Grunde liegende Methode wird auch als Dampfinfusion bezeichnet.

Die Anlage wurde von Anfang an so geplant und gebaut das wir extrem flexibel sind und so nicht auf eine Destillationsmethode beschränkt sind. Hierdurch ergibt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten in Bezug auf neue Rezepturen und Variationen. Letzten Endes zählt nur, welche Methode für welches Rezept am besten funktioniert um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

 

Ginobility: Die Basis für guten Gin ist der Neutralakohol. Ihr verwendet für den City of London Dry Gin den gleichen wie für Euren Vodka. Aus welchen Rohstoffen wird Euer Neutralalkohol gebrannt?

Jamie Baxter: Wir verwenden Weizen als Grundlage für unseren Neutralalkohol. Was uns von anderen Gins abhebt ist, dass wie diese Neutralalkohol erneut destillieren bevor wir ihn zu Gin machen. Der Kontakt mit dem Kupfer der Anlage und die damit einhergehende Rezifikation (Anm. d. Red.: Rezifikation , auch Gegenstromdestillation genannt, verstärkt das Destillat) erzeugt eine äußerst weiche Grundlage, die ein voluminöses und reichhaltiges Mundgefühl erzeugt, welches die Zeit, den Aufwand und das Geld die dieser Prozess in Anspruch nimmt absolut wert ist.
Unserer Meinung nach gibt es keinen Zweifel, dass dieser Mehraufwand unser Produkt von anderen deutlich differenziert.

 

City of London Dry Gin City of London Dry Gin

Ginobility: Du verwendest frische Zitrone, Orange und Pink Grapefruit für City of London Dry Gin. Macht die Verwendung von frischen Botanicals einen entscheidenen Unterschied zu getrockneten? Und harmonieren diese besser mit den anderen Botanicals die Du für Euren Gin verwendest?

Jamie Baxter: Die frischen Zitrus Botanicals steuern ihren Teil zu dem würzig frischen Geschmacksprofil bei, dass wir von Anfang an wollten. Jede Komponente des Rezeptes spielt seine ganz eigene Rolle, denn am Ende ist immer das Ganze ausschlaggebend und nicht die Summe der Einzelteile aus dem es besteht.

 

Ginobility: Wie würdest Du den Geschmack von City of London Dry Gin beschreiben, da die meisten unserer Leser wahrscheinlich nicht die Chance hatten ihn zu testen oder gar in Deutschland zu bekommen?

Jamie Baxter: Das Aroma ist weich und Wacholder dominiert, wartet aber mit einem guten Schuss würzigem Zitrus auf.
City of London Dry Gin ist noch nicht in Europa erhältlich. Man darf nicht vergessen, dass wir ein sehr neues Unternehmen sind. Natürlich hoffen wir, dass unser Gin aber seinen Weg auf den Kontinent finden wird. Meine Mutter ist aus Wien und ich fände es super wenn meine österreichischen Verwandten unser Produkt in Geschäften und Bars in ihrer Nähe finden würden, und natürlich auch in Deutschland!

Ginobility: Das Konzept eine Destille mit einer Bar zu kombinieren ist eine ziemlich einzigartige Idee.  Nutzt Ihr das Feedback das Ihr von Euren Bar Gästen bekommt auch um Eure Produkte zu verbessern bzw. zu variieren?

Jamie Baxter: In unserer Bar finden sich derzeit 170 verschiedene Marken Gin und 10 verschiedene Tonic Water. Natürlich ist gerade bei einer Spirituose leicht hoch anspruchsvoll zu sein, aber am Ende sollte vor allem der Spaß im Vordergrund stehen!

Unser Bar Team verfügt durchgängig über ein sehr umfangreiches Know how und jeder einzelne mixt herrlich elegante Drinks. Gleichzeitig aber haben sie auch ein echtes Talent jedem unserer Gäste eine wirklich tolle Zeit zu bereiten.

Die Bar und die Brennerei zu kombinieren gibt uns die Chance äußerst nah an vielen unserer Kunden zu sein. Alle unsere Gäste und Stammgäste kommen zu uns um Spaß zu haben und ihre Erfahrungen mit uns zu teilen. Ich bin immer am glücklichsten wenn mir jemand sagt: „Hey, heute habe ich echt etwas Neues gelernt!“ – und dabei ist es egal ob es dabei um die Herstellung unseres Produkts, einen neuen Cocktail den sie probiert oder gar einen neuen Gin den sie entdeckt haben geht.
Genau diese Leute sind es die unsere (ganz inoffizielle) Zielgruppe bilden.

Natürlich haben wir auch viele Gäste die aus der (Destillations) Industrie kommen, und jeden Tag jemand an oder kommt vorbei der irgendwo auf der Welt eine Destille aufmachen möchte. Auch wenn ich diese Formulierung nicht gerne verwende, aber sie beschreibt unsere derzeitige Position am besten: Wir sind gerade ziemlich nah am Zentrum der Bewegung rund um das Gin-Destillations-Handwerk.

 

Ginobility: Wenn es eine „Special Edition“ von City of London Dry Gin, wie würde diese schmecken bzw. wie wäre diese generell?

Jamie Baxter: Wir arbeiten gerade an unserem zweiten Gin, der einen höheren Alkoholgehalt haben wird als City of London Dry Gin. Dabei zielen wir stärker auf die Verwendung in Martinis ab. Das Geschmacksprofil? Geduld!

 

Ginobility: Gin & Tonic ist der beliebteste Gin-basierte Drink weltweit (zusammen mit vielleicht noch dem Dry Martini). Was ist Euer Rezept für einen City of London Dry Gin & Tonic. bzw. welches Tonic passt am besten zu ihm?

Jamie Baxter: Hier bei uns in der City of London Distillery Bar servieren wir Ihn mit Fevertree Tonic Water und einem Schnitz Grapefruit. Die Garnierung akzentuiert die frischen Zitrus Botanicals und das Tonic erlaubt es den Aromen das Gins sich wunderbar zu enfalten.

 

Bar @ City of London Distillery Bar @ City of London Distillery

Ginobility: Ihr bietet auch Touren und Workshops in Eurer Destille an. Was würdest du den Gästen sagen, welche Begabungen und Fähigkeiten es braucht Master Distiller zu werden?

Jamie Baxter: Tagsüber ist jeder eingeladen sich von uns die Brennerei zeigen zu lassen, ganz ungezwungen. Immer anfangs der Woche bieten wir abends die Gin Experience Masterclass an. Jeder ist eingeladen Fragen zu stellen, ob neugieriger Laie oder Gin-Experte.
Jeder dieser Abende ist verschieden da sie durch die Gäste und ihre Fragen bestimmt werden. Ich würde nicht von mir behaupten dass ich jemanden zum Master Distiller auszubilden, aber ich hoffe das ich den interessierten Menschen den Enthusiasmus und die Begeisterung vermitteln kann die es braucht um alles über diese tolle Produkt und die dahinter stehenden Prozesse lernen zu wollen.

 

Ginobility: Eine letzte Frage: Gin erlebt gerade einen echten Boom. Nicht nur in London sondern überall in Europa, angeführt von Spanien. Wie glaubst Du, sieht der Gin Markt in fünf Jahren aus?

Jamie Baxter: Für eine Small Batch Destille wie wir es sind ist es im Grunde Zeitverschwendung sich über so etwas Gedanken zu machen. Wir können nicht mit den „Großen“ und ihren Regeln spielen. Sie sind es die den Markt diktieren und somit auch seine Zukunft steuern. Jede kleine Destille muss ihr eigenes Ding machen und ihre eigene Nische, ihren eigenen Weg finden.
Wir persönlich machen etwas Einzigartiges mit unserer „Destille – Bar – Besucherattraktion“ Kombination. Der Rest macht was sie für richtig halten.

In fünf Jahren haben wir immer noch vor hervorragenden Gin zu brennen und daran teilzuhaben das Menschen eine gute Zeit haben.

 

Vielen Dank für dieses Interview und Deine Zeit!

 

(Alle Bilder stammen von der Webseite http://cityoflondondistillery.com
oder der Facebook Fan Page https://www.facebook.com/cityoflondondistillery)
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