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nginious! Gin auf der Hanse Spirit

nginious StandNach dem Besuch einer Spirituosenmesse bleibt bei mir nie der Eindruck zurück: Okay, war nett, aber viel Neues hast du nicht gesehen. Ganz im Gegenteil: Auf jeder Messe lassen sich immer ganz bemerkenswerte Entdeckungen machen, so auch dieses Jahr auf der Hanse Spirit in Hamburg. Eine davon betraf einen besonderen Gin und die möchte ich euch hier natürlich nicht vorenthalten: Oliver Ullrich stellte stolz sein Produkt „nginious!“ vor. Der junge Gin-Begeisterte ist Deutscher, lebt und arbeitet aber in der Schweiz. Mit Ralph Villiger und Iris Menne-Ullrich zusammen betreibt er in Zürich sehr erfolgreich die Ginbar „4 Tiere“.

Mit dem Ausschenken alleine wollte er sich irgendwann nicht mehr zufrieden geben, es reizte ihn, einen eigenen Gin zu kreieren. Etwas Besonderes sollte es sein: Einen Schweizer Charakter wünschte er sich für sein Produkt und er wollte aus den Botanicals das Beste an Aromen herausholen, was möglich ist. Getüftelt wurde, getestet und verglichen, bis Oliver Ullrich schließlich mit dem Ergebnis zufrieden war und den Brennvorgang in die Hände von Hans Erismann in seiner Brennerei in Eschenmosen abgeben konnte: nginious! war geboren.

nginious Flasche

18 Botanicals prägen den Geschmack des nginiuos!, der stark an Kräuter und Bergwiesen erinnert - so, wie man sich ein Schweizer Produkt typischerweise vorstellt, meint Ullrich. Und das Aroma des nginious! entsteht nicht einfach so in einer Destillation aller Botanicals miteinander, Olliver Ulrich hat sich für das Destillieren in einzelnen Chargen und das anschließende Blenden entschieden. So entsteht also ein etwas anderer Gin, ganz so, wie er es immer gewollt hat.

nginious 18 Botanicals

In vier verschiedenen Gruppen werden die Botanicals zusammengestellt und gebrannt, jeweils in kleinen Chargen von rund 100 Litern. Dieser Brennvorgang dauert etwa 3 bis 4 Stunden und das ist das Maximum, was Ullrich den Botanicals zumuten möchte. Größere Chargen würden stundenlang vor sich hinkochen, meint er, und die ganze Geschmackskomposition durch die sorgfältige Mazeration in unterschiedlicher Dauer zwischen 6 und 10 Stunden wäre wieder zerstört.

Sicher interessiert es euch, welche Botanicals denn im nginious! in diesen vier Gruppen verwendet werden:

  • Frucht: Wacholder, Berberitze, Lorbeerfrüchte
  • Kräuter: Heublumen, Rotkleeblüten, Goldmelisse, Verveine, Ysop, Kamille, schwarze Johannisbeerblätter, Iriswurzel, Silberdistelwurzel, Galgant
  • Citrus: frische Grapefruit, Zitronen- und Orangenschalen, dazu zur Abrundung ganzer geschälter Kardamom
  • Süßholz

Beim Blenden kommen dann von jeder Gruppe 3 bis 4 Chargen zusammen, lediglich vom Süßholz wird nur eine Charge zum Abrunden herangezogen. Weitere Süßstoffe kommen übrigens in den nginious! Gin nicht hinein. An das Blenden schließt sich eine Ruhezeit von 6 bis 8 Wochen an, in der alle Stoffe und Aromen eine harmonische Verbindung miteinander eingehen können.

nginious BotanicalsNeben diesem nginiuos! Swiss Blended Gin in der klaren Glasflasche stehen da aber noch weitere Produkte auf der Präsentationstheke vor Oliver Ullrich. Feines Leder umgibt diese Flaschen. Es ist der nginious! Vermouth Cask Finish, erfahre ich - wiederum etwas Außergewöhnliches. Als Ullrich die Idee hatte, die Kräuteraromen seines nginious! durch ein Finish mit denen eines Vermouths zu verbinden, stieß er zunächst einmal auf eine Schwierigkeit: Roberto Bava von Cocchi in Piemont klärte ihn auf, dass er seinen Vermouth längst nicht mehr in Fässern lagert, sondern in Edelstahltanks. Doch auch er fand den Gedanken an einen fassgefinishten Gin verführerisch und lagerte extra seinen Vermouth di Torino für ein halbes Jahr in einem Barolofass.

Nachdem der Vermouth das Fass (ca. 250 l) verlassen hatte (keine Angst, ein guter Unternehmer verschwendet nichts: Auch der Vermouth wurde von Oliver Ullrich abgefüllt), kam der nginious! hinein. Nach einer Woche hatte das frische Vermouthfass den Gin derart aromatisiert, dass er herausgenommen und gegen frischen Gin ausgetauscht wurde. Der wiederum durfte dann fast 8 Wochen darinnen verbleiben und wurde anschließend mit der ersten Füllung verschnitten. Voilà: Der nginious! Vermouth Cask Finish war geboren. Er hat sich aromatisch leicht verändert, die Aromen sind „dunkler“ geworden, komplexer, aber der Grundcharakter des nginious! ist erhalten geblieben und bleibt erkennbar. So war der Plan und der ist gelungen.

Ob es ein weiteres Finish geben wird, frage ich. Mal sehen, vielleicht. Noch sei nichts Konkretes in Planung. Bezugsquellen für den Gin gibt es bisher nur für die Schweiz, zu finden auf der Homepage von nginious!

Edit: So schnell ganz gehen....Nachdem ich den Bericht heute morgen veröffentlicht hatte, meldete sich kurz darauf Oliver Ullrich mit der frohen Botschaft, dass der nginious! auch in Österreich zu haben ist und ganz ganz neu jetzt auch in Deutschland und Benelux!

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