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Von der Seele des Gins: Botanicals

Schon seit vielen Jahren wird in Lifestyle-Magazin und Spirituosenblogs der Gin regelmäßig als boomendes Trendgetränk gefeiert.  Selten fielen wohl im Zusammenhang mit einer Spirituose so oft und vor allem so lange die Begriffe „Trend“, „Boom“, „Hype“  wie beim Gin. Und allen Unkenrufen über eine drohende Ginblase zum Trotz reihen sich noch immer neue Produkte in die bunte Angebotspalette ein. Von Ginmüdigkeit keine Spur.

Woran liegt es, dass die Karawane nicht schon längst weiter gezogen ist und die Bars ihr Sortiment an Gins nicht wieder auf einige Standards heruntergefahren haben? Nicht zuletzt wohl an der sehr großzügig gehaltenen Definition dessen, was Gin ist und sein darf. Die europäische Spirituosenverordnung setzt nur einen gewissen Rahmen und fordert unter anderem einen vorherrschenden Wacholdergeschmack - aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Die Möglichkeit, natürliche und naturidentische Aromastoffe und -extrakte  zu verwenden, lässt eine breite Vielfalt an Botanicals, also Kräuter und Gewürze, zur Aromatisierung zu. Einige waren auch vor dem Beginn des angesprochenen Gin-Trends bereits klassische Mitstreiter des Wacholders, andere haben den Weg in den Gin erst ganz neu gefunden.

So kommen heute nicht nur Freunde des klassischen, vom Wacholder stark dominierten Gins auf ihre Kosten.  Auch wer sich gerne  Zitrusaromen oder floralen Geschmackserlebnissen hingibt, findet unter den Gins ein passendes Produkt. Sie lieben Schnäpse, die von kräftigen Bergkräutern geprägt sind? Oder schmelzen dahin, wenn der Duft von Rosen in der Luft liegt? Ihr Lieblingsgewürz ist der Zimt? Oder soll es doch lieber ein frischer Hauch von Pfefferminze sein? Es gibt in der bunten Welt des Gins (fast) keine Geschmacksrichtung, die es nicht gibt.

Die Favoriten unter den Botanicals

WacholderbeerenWacholder: Keine Frage, Wacholder ist das absolute Muss unter den Gin-Botanicals. Die aromatischen Beeren des „Juniperus“ sind auch in der Küche sehr beliebt und sorgen für einen süßlich-würzigen, gleichzeitig aber bitter-harzigen Geschmack. Seit Jahrhunderten ist Wacholder übrigens auch als Heilmittel beliebt. Dieser heilsamen Wirkung bei Verdauungsbeschwerde wegen verwendete der Arzt Francoise de la Boe Wacholder im 17. Jahrhundert in seinem neu erfundenen Trank namens Jenever. Zu behaupten, Gin sei eine Art von Medizin, wird als Ausrede für übermäßigen Genuss allerdings heutzutage kaum akzeptiert…

KorianderKoriander: Neben Wacholder ist Koriander sicher eines der meistverwendeten Botanicals. Im Gegensatz zum Einsatz in der Küche kommen bei der Ginherstellung nicht die Blätter, sondern die Samen des Korianders zum Einsatz. Das ätherische Öl der kleinen Kügelchen sorgt für einen leicht säuerlich-fruchtigen Unterton im Gin.

Angelikawurzel, Angelicae radixAngelika (auch Engelwurz): Nach Wacholder und Koriander macht Angelika den Reigen der Magic Three der Ginherstellung komplett. So mancher Spirituosenexperte ist der Meinung, dass alleine diese drei Botanicals genügen, um einen perfekten Gin herzustellen. Angelika (meist wird die Wurzel verwendet, manchmal auch Samen, Sprosse oder Blüten) steuert dabei eine herb-würzige, leicht bittere Note, aber auch eine gewisse Süße bei.

KardamomsamenKardamom: Es sind vor allem die Samen des grünen Kardamoms, die bei Gin-Herstellern wegen ihres süßlich-scharfen Geschmacks beliebt sind. Schwarzer Kardamom mit seinem etwas herberen Aroma wird deutlich seltener verwendet. Seinen Ursprung hat das Ingwergewächs Kardamom in Asien, wo es auch als Gewürz für Speisen sehr beliebt ist. Bei uns kennt man Kardamom hauptsächlich als Gewürz in der Weihnachtszeit oder als Brotgewürz.

Lakritzpulver und Sholz Wurzeln isoliertSüßholz: Der Name ist Programm bei diesem Botanical und es verleiht dem Gin eine natürliche Süße. Auf den ganz typischen Geschmack des Süßholzes lässt sich aber sofort aus der englischen Bezeichnung „Licorice“ schließen: Die Wurzeln sind Lieferanten der typischen Lakritzaromen.

ZitronenscheibeOrangen-, Zitronen-, Limettenschale: Kommen wir zur fruchtigen Fraktion der Botanicals. Meist getrocknet, manchmal auch frisch, sorgen Zitrusfrüchte für einen Charakterzug im Gin, der auch eine große Fangemeinde hat. Insbesondere die Schale ist es, die es den Gin Herstellern dabei angetan hat, denn sie enthält die intensiv- aromatischen Öle. Ob süße Orange oder bittere Sevilla-Orange, ob europäische Zitronen oder exotische Rangpur Limetten - die frischen Zitrusaromen können die Aromen ihrer würzigen Mit-Botanicals wunderbar ausbalancieren und unterstützen.

IngwerIngwer: „Vorsicht, scharf!“ sei jedem ans Herz gelegt, der das erste Mal rohen Ingwer probiert. In rechtem Maße dosiert sorgt Ingwer als Botanical im Gin aber für eine würzige Schärfe, die den Gaumen kitzelt.

ParadieskrnerParadieskörner (auch Guinea-Pfeffer): Einst in Europa ein beliebter Ersatz für den schwarzen Pfeffer, heute neben dem Ingwer das Botanical, mit dem Destillateure gerne ihrem Gin die nötige Schärfe verleihen. Übrigens gehört diese Pflanze auch zu den Ingwergewächsen, die scharfe Aromatik der beiden Botanicals ähnelt sich also nicht von ungefähr.

Cinnamon sticks on whiteKassia-Rinde: Wer sich unter Kassia oder Kassie nichts vorstellen kann, den bringt sicher die lateinische Bezeichnung Cinnamomum aromaticum auf die richtige geschmackliche Spur. Es handelt sich um eine mit dem echten Zimt verwandte Pflanze. Als Botanical sorgt sie für typisch „zimtige“ Noten, ohne dessen Süße zu transportieren.

Auswählen und kombinieren

Das waren neun Arten von Botanicals als beispielhafte Auflistung. Nicht alle davon finden sich jeweils in einem Gin. Die Auswahl der Botanicals ist es, die den Unterschied macht und ihre Kombination formt die Seele des Gins. Manchmal werden nur wenige Botanicals verwendet, manchmal mehr. Und  manchmal ist weniger tatsächlich mehr….

Jede gute Liste besteht aber aus 10 Punkten, meinen Sie?
Dann lassen sie uns den Punkt 10 für all die vielen anderen Botanicals reservieren, zu denen Ginhersteller hin und wieder greifen. Fenchel, Mandeln, Kamille, Thymian, Rosmarin, Iriswurzeln, Rosenblätter, Kubeben Pfeffer, Safran, Muskat, Gewürznelken, Lindenblüten, Kümmel, Kreuzkümmel, Bohnenkraut, Lavendel, Tonkabohne - ergänzen Sie hier einfach nach Lust, Laune und Wissen die Botanicals Ihres Lieblingsgins!

Petra Milde
(Erstveröffentlichung im Messejournal "Explorer"der Hanse Spirit 2016)

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