Seit kurzem haben wir bei Ginobility den Napue Gin im Programm. Habt ihr diesen Finnen schon probiert? Nicht? Vielleicht können wir euch den besonderen Gin, der ganz aktuell von der IWSC zum besten G&T-Gin gewählt wurde (wir berichteten) mit einigen Hintergrundinfos schmackhaft machen. Und diese Infos kommen von jemandem, der sich in Sachen Napue Gin auskennt wie kein anderer: Hier ist ein Interview mit Kalle, dem Brenner des Napue.
Hinter dem Napue Gin steckst nicht du allein, ihr seid ein kleines Team. Erzählst du uns, wer ihr seid?
Kalle: Wir sind insgesamt fünf Gründungsmitglieder: Miika Lipiäinen ist der Geschäftsführer. Mikko Koskinen, unser Brandmanager, ist immer auch bei der Spirituosen-Entwicklung mit dabei. Ich führe die Produktion von Roggenwhisky und Gin und habe zusätzlich einen Destillateur-Azubi, Miika Saari. Und es gibt noch zwei Gründer, die nicht ganztäglich für die Firma arbeiten: Miko Heinilä kümmert sich unsere Bar und Besucher und Jouni Ritola beschäftigt sich mit Spedition und dem Fasseigner Club.
Wie kommen 5 Finnen auf die Idee, einen Gin zu brennen?
Kalle: Vor drei Jahren saßen drei unserer Gründungsmitglieder Roggenwhisky-trinkend in der Sauna und fragten sich warum noch niemand in Finnland Roggenwhisky herstellt. Wir Finnen haben ja eine besondere Beziehung zu Roggen, wovon wir eine Vielfalt von Lebensmittel herstellen, z.B. 100 %iges Roggenbrot. Gesagt, getan - wir gründeten kurze Zeit später die Kyrö Distillery Company. Die Gin und Whisky Produktion starteten wir im April 2014.
Ihr habt die Aufgaben unter euch aufgeteilt und du bist der Brennmeister des Teams. Woher hast du die entsprechenden Vorkenntnisse mitgebracht?
Kalle: Eigentlich habe ich meine Berufswahl dem Schwabenland, in dem ich ein Jahr als Austauschschüler im Alter von 17 Jahren verbracht habe, zu verdanken. In dem Jahr wurde ich mit richtig gutem (deutschen) Bier verwöhnt, das damals noch kaum in Finnland zu bekommen war, so dass ich danach das Heimbrauen angefangen habe. Anschließend habe ich neben meinem Ökologiestudium eine Zusatzausbildung im Bereich Brauerei und Brennwesen gemacht.
Passende Location, Equipment, Rezept, Zutaten – war es einfach, das alles zu organisieren?
Kalle: Unsere Brennerei befindet sich in einer ehemaligen Käserei, die nach 100-jähriger Geschichte im Jahr 2008 die Produktion einstellte. Miko, unser Mann aus Isokyrö, schlug dann dieses wunderschöne leerstehende Gebäude als Brennerei vor. Das Herz unserer Produktion ist die maßgefertigte 1200 L Brennblase der Firma Kothe. Alles andere habe ich von gebrauchten Anlagen nach meinen Anweisungen umbauen lassen.
Die Rezeptur für unseren Gin enstand nach 60 try-and error-Versuchen und gemeinsamen, langen Nächten am Kyrö Fluss.
Unsere Philosophie für die Zutaten ist nur das Beste und wenn möglich dieses von regionalen Anbietern zu beziehen.
Wie lange mazeriert ihr eure Botanicals? Wie oft brennt ihr und in welchen Chargen? Vielleicht erzählst du uns ein paar Details über die Herstellung.
Kalle: Wir mazerieren einen Teil der Kräuter ca. 16 Stunden, zusätzlich setzen wir vor der Destillation im Kräuterkorb einige Zutaten in die Brennblase ein. Dazu destillieren wir die frischen Kräuter separat und fügen nachträglich die Essenzen dem fertigen Destillat hinzu. Wir brennen im Durchschnitt ca. 1000 Liter im Monat - Tendenz steigend.
Was unterscheidet nun euren finnischen Gin von denen anderer Herkunftsländer – oder gibt es keine besondere lokale Prägung?
Kalle: Geprägt von Kindheitserinnerungen an lange Saunanächte im Landhaus (Mökki) der Großeltern Mikkos, haben wir versucht, die dortigen Gerüche in unseren Gin zu übernehmen wie beispielsweise die große, angrenze Wiese, die nach Mädesüß und Birke roch. Wie versuchen viele einheimische Kräuter mit einfließen zu lassen und das unterscheidet uns von anderen Ländern und Herstellern.
Was hattet ihr bei der Entwicklung eures Gins im Blick: Sollte er besonders für Gin&Tonic geeignet sein oder was war das Ziel?
Kalle: Anfangs war unser Ziel einen möglichst ausgewogenen, harmonischen, aber auch charaktervollen Sipping Gin zu produzieren. Dass er dann noch als G&T so gut funktioniert ist ein toller Nebeneffekt.
Beschreib uns den Geschmack des Napue doch einmal mit deinen Worten.
Kalle: Unser Napue hat eine sehr reiche und ausgeglichene Nase, geprägt von Wacholder und Koriander, die mit der Süße von Mädesüß veredelt wird. Der Geschmack wird geprägt durch die Säure der Cranberries, balanciert wird es durch den Sanddorn und zuletzt kommt am Gaumen der sommerliche Geschmack der Birkenblätter.
Den Napue kennen wir nun also und wir wissen auch, dass euer Moonshine in Fässern lagert, um in einigen Jahren als finnischer Whisky auf den Markt zu kommen. Und in der Zwischenzeit? Gibt es Neuigkeiten, weitere Kreationen aus dem Hause der 5 Freunde? Wir lassen uns gerne in Geheimnisse einweihen….
Kalle: Als nächstes wird auf dem deutschen Markt unser gereifter Gin, Koskue, erhältlich sein. Hoffentlich auch bald unser Rye Verso, der weniger als drei Jahre in Fässern gereift ist und sich hervorragend zur Cocktail Herstellung eignet.
In den nächsten zwei Wochen erweitern wir unsere Brennkapazität um eine kleine 150 Liter Brennblase für Entwicklung und Herstellung neuer Spirits und Nischenprodukte.
Alle weiteren Neuigkeiten findet ihr auf unserer Website und Facebook Seite- stay tuned!
Wann und wo kann man euch einmal persönlich kennenlernen?
Kalle: Voraussichtlich Ende September auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg und anschließend hoffentlich noch in anderen Städten Deutschlands...
Dann werden wir ja demnächst noch einiges hören und schmecken aus finnischen Landen. Herzlichen Dank für das Interview!
Fehlt natürlich noch der Link zum Napue Gin in unserem Shop, denn ihr wollt ihn jetzt sicher gleich bestellen.... Klick hier :-)
Und hier ist abschließend ein ganz besonderes Schmankerl: Auf YouTube erfahrt ihr, wie die Jungs der Kyrö Distillery sich ihren Gin&Tonic am liebsten zubereiten: Klick hier
Bilder: Kyrö Distillery Company
