Es war ein Tastingabend der besonderen Art: Julia Nourney, Independent Spirit Consultant und Autorin, MargareteMarie, Whiskybloggering, und Petra Milde, Autorin und Bloggerin im Spirituosenbereich (By the way: Verfasserin dieses Beitrages) wollten sich intensiv mit einigen Whiskys und Gins beschäftigen und mit weiblichen Geschmacksnerven gemeinsam den Aromen nachspüren. Und so wurde ein Tisch im
schwäbischen Balingen an einem Samstagabend im August mit Whisky, Gin, Gläsern, Wasser, Tonic, Obst, Schreibzeug, Laptop und Kameras gefüllt, um gründlich zu arbeiten - und Spaß dabei zu haben. Nun ja, aus dem Abend wurde eine ganze Nacht und ich möchte euch unsere Ergebnisse in Sachen Gin&Tonic nicht vorenthalten.
Was jetzt hier im Bericht folgt, ist keine ausführliche Vorstellung der Gins. Nein, uns ging es bei den Gins vor allem darum, herauszufinden: Wie schmeckt der mir/uns am besten, welches Tonic Water empfinden wir als ideale Ergänzung? Probiert es doch einmal aus, ob ihr da mit uns auf einer Linie seid, wir freuen uns über Feedback!
See-Gin, London Dry Gin vom Bodensee, 48% Vol.
Wir starten mit einem Gin der Brennerei Steinhauser, Kressbronn. Er hat bei der IWSC dieses Jahr Gold Outstanding erhalten, eine nicht sehr häufige vergebene Auszeichnung. Ein gradliniges Produkt, bei dem neben sanften Wacholdernoten etwas Melisse durchschimmert.
Eine ganz leichte Bitterkeit hat er für mich, kaum Zitrusnoten. Ausgewogen, da drängt sich nichts in den Vordergrund. Sensorik-Spezialistin Julia nennt ihn „Everybodies Darling“ und „komplementär“. Passt sich jedem Tonic an.
Wir kombinieren den See-Gin mit Fever Tree und Orange und erhalten eine weiche „Wintermischung“. Den leichten Sommerdrink gibt es mit Thomas Henry und Limette.
NB Gin, Artisan Gin aus North Berwick, Scotland, 42,% Vol.
Ein ganz neuer Gin, erst seit kurzem auf dem Markt. Wacholder und Zitrusfrüchte prägen den Small Batch Gin ganz deutlich. kommt leicht süßlich daher und sehr mild auf der Zunge herüber, trotz einer Pfeffernote. Im Nachklang bleibt mir ein Hauch Lakritze.
Hier favorisieren wir zwei Zusammenstellungen:
NB + Thomas Henry Elderflower+Orangenschnitz: Ein floral-fruchtiger Gin&Tonic für alle, die es etwas lieblicher mögen
NB + Fever Tree + Limettenschnitz: So wird die fruchtige Frische des NB unterstrichen. Wacholder tritt etwas in den Hintergrund.
NB Gin im Ginobility Online Shop.
Telser Liechtenstein Dry Gin, 47% Vol.
Der Wacholder dominiert deutlich beim Telser, der zudem eine sehr florale Grundnote hat. Riecht und schmeckt „dunkler“ als die beiden Vorgänger. Würzig. Und dann ist da ein leichtes Räucheraroma…Die starken 47% machen sich deutlich bemerkbar; weniger zum pur sippen geeignet.
Hier hat uns der Fentimans als Partner am besten gefallen, zusammen mit einem Schnitz Tahiti-Limette zerreißt er die dunkle Note des Telser („declustern“ nennt es Fachfrau Julia). Ich hab bei diesem Gin&Tonic übrigens eine Art Traubenzuckernote im Mund, muss an Dextroenergen denken. Na, wenn ein G&T vielleicht Energie verleiht, ist es doch toll…
Telser Gin im Ginobility Online Shop.
Sipsmith London Dry Gin, 41,6% Vol
Sehr frisch kommt uns der Sipsmith aus dem Glas entgegen, doch allmählich gesellen sich auch dunklere Aromen hinzu, fast so wie feuchtes Heu. Auch exotische Frucht, aber so richtig überreif. Am Gaumen dann ein ähnliches Szenario: Erst frische, grüne Aromen, dann würzig. Leicht pfeffrig
Die zarten Fruchtnoten des Smipsmith wollen herausgekitzelt sein, das gelingt uns am besten mit Fever-Tree und einem Orangenschnitz.
Sipsmith Gin im Ginobility Online Shop.
GILT, Single Malt Scottish Gin, 40% Vol.
Ein Gin aus Gerstenmalz, das ist etwas Spezielles. Und als speziell stellt sich auch Aroma und Geschmack heraus. Erdige, weiche Noten steigen da in die Nase, der Wacholder ist angenehm präsent, drängt sich aber nicht in den Vordergrund. Vanille ist deutlich da und eine würzige Süße, auch ein Aroma wie von Kräuterbonbons. Am Gaumen bleibt der GILT sehr weich, aber komplex und würzig, dunkel und erdig.
Diese besonderen Aromen wollen bewahrt sein im Gin & Tonic, deshalb sollte es nicht mit zu viel Macht daherkommen. Das 1724, das in anderen Gins wegen seiner Milde oft untergeht, ist hier genau das richtige. Ein Schnitz Pink Grapefruit dazu und fertig ist ein Gin & Tonic, der einen ganz eigenen Charakter hat. Aber den GILT würde ich auch durchaus pur trinken.
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Elephant London Dry Gin, 45% Vol.
Dezent, harmonisch in der Nase. Eine Wacholdernote, die da ist, aber nicht dominant in die Nase steigt, ebensowenig wie der Alkohol. Fruchtsüße. Süß ist der Elefant dann auch am Gaumen. Lakritze ist eines der Hauptaromen. Zitrusaromen sind kaum zu spüren, der Gin ist eher floral ausgerichtet. Ein bisschen wie im Nadelwald. Die weiche, milde Ausprägung macht ihn zu einem Gin, der sehr gut pur zu trinken ist. Der recht hohe Alkoholgehalt stört dabei überhaupt nicht.
Der Versuch mit Thomas Henry und Limette zeigt: Das Gin & Tonic schmeckt zu flach, das wird dem Elephant nicht gerecht. Fever-Tree ist besser, das lässt dem Gin genug Raum, unterstreicht die Aromen aber auch. Trotzdem: Wenn man diesen Gin richtig würdigen möchte, dann sollte man ihn pur trinken.
Elephant Gin im Ginobility Online Shop.
GIN 27, Appenzeller Dry Gin, 43% Vol.
Auch die Schweiz kann in Sachen Gin mithalten. Der GIN27 wurde von einem Kräuterbitterproduzenten entwickelt und das spiegelt sich im Aroma wieder. Beim Nosen denke ich sofort: Lebkuchen. Zimt. Auch eine leicht bittere Note ist da. Im Mund bestätigt sich der adventliche Eindruck, doch dann öffnet sich das Aroma, wird etwas floraler. Die Grundnote bleibt aber sehr würzig, leicht bitter.
Der GIN27 lädt zum Experiment ein und das verläuft erfolgreich: Fever Tree Mediterranean harmoniert wunderbar mit diesem würzigen Gin. Ein Orangenschnitz brachte die Zitruskomponente sehr gut hervor. Leider hatten wir keinen Rosmarin zur Hand, das wäre noch eine interessante Spielart gewesen.
Gin Mare, Spanien, 42,7% Vol
Diesen spanischen und von mediterranen Kräutern geprägten Gin hatten wir zu Recht ans Ende unseres Tastings gestellt, der Unterschied ist groß: Ist das wirklich Gin? Da ist in der Nase von Wacholder nichts Vordergründiges zu spüren. Man muss ihn förmlich suchen hinter der süßen Würzigkeit und dem deutlich floralen Grundton. Süße umschmeichelt auch den Gaumen. Rosmarin kommt sehr stark herüber und eine angenehme Bitterkeit. Beim Gin & Tonic ist wieder Fever Tree unser Favorit, das lässt den Rosmarinnoten und dem floralen Charakter Raum. Wir notieren für unser nächstes Tasting: Neben Rosmarin unbedingt auch grüne Oliven mitbringen - hier hätten wir sie gerne noch als i-Tüpfelchen ausprobiert!
Gin Mare im Ginobility Online Shop.
Wer sich auch für den ersten Teil des Abends (das Whiskytasting) interessiert, findet den Bericht hier auf meinwhisky.com.
Bilder: MargareteMarie von whiskyundfrauen. Dankeschön!